Orchester schlagen neue Töne an

Der Musikverein Mühlacker und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim geben am Abend des 4. Juli ein gemeinsames Konzert im Uhlandbau. Die Zusammenarbeit, initiiert vom 21-jährigen Paul Rapp, stellt eine Premiere dar und schlägt Brücken der klangvollen Art.

Hier ein in der Region verwurzeltes traditionsreiches Laien-Blasorchester, dort ein überregional agierendes international anerkanntes Berufsensemble: Sowohl der Musikverein Mühlacker als auch das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim sind aus dem kulturellen Leben nicht wegzudenken. Gekreuzt haben sich die Wege bisher allerdings nicht. Das wird sich ändern: Am Abend des 4. Juli geben beide Ensembles ein gemeinsames Konzert im Uhlandbau und wollen sowohl die eigenen Vorzüge präsentieren als auch einen großen gemeinsamen Klangkörper bilden.

Das Ziel, musikalische Begegnungen zwischen Laien und Profis zu ermöglichen und kulturellen Austausch in der Region zu fördern, treibt Paul Rapp voran. Der 21-jährige Student der Kultur- und Medienbildung aus Mühlacker ist beiden Orchestern eng verbunden. Seit dem Kindesalter im Musikverein aktiv, spielt er dort inzwischen im Großen Orchester Waldhorn und übernimmt auf Funktionärsebene als Kassierer Verantwortung. Beginnend mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr, mittlerweile als Werkstudent angestellt, ist Rapp außerdem im Künstlerischen Betriebsbüro des Südwestdeutschen Kammerorchesters tätig. Für ein Projekt im Rahmen seines Studiums hat er nun die Idee eines gemeinsamen Konzerts entwickelt. „Im Zentrum steht nicht nur das musikalische Ergebnis, sondern der gemeinsame Weg dorthin: Die Ensembles begegnen sich auf Augenhöhe, tauschen Erfahrungen aus, lernen voneinander und gestalten zusammen ein künstlerisches Ereignis. Die Musik dient hier als Brücke – zwischen Generationen, Erfahrungsniveaus und sozialen Kontexten“, beschreibt Paul Rapp seine Intention.

„Lasst es uns ausprobieren, das klingt spannend.“

Sowohl bei der Uni als auch bei beiden Ensembles sei er auf offene Ohren gestoßen. „Das freut mich natürlich“, berichtet der 21-Jährige von großem Interesse, das ihm sowohl die geschäftsführende Intendantin des Kammerorchesters als auch die Profimusiker signalisiert hätten. Dasselbe positive Echo habe er zunächst im Musikvereins-Ausschuss, dann von den Orchestermitgliedern erhalten. „Lasst es uns ausprobieren, das klingt spannend“, fasst er die Reaktionen zusammen.

Geplant seien im moderierten Programm drei Abschnitte: „Zu Beginn treten der Musikverein Mühlacker und das Südwestdeutsche Kammerorchester jeweils mit einem eigenen Programmteil auf. Jedes Ensemble gestaltet diesen Abschnitt eigenständig, mit Werken, die ihre musikalische Identität und klangliche Handschrift betonen. Damit wird der musikalische Charakter beider Klangkörper für das Publikum unmittelbar erlebbar. Die Kontraste zwischen Blasorchester und Kammerorchester, das unter Konzertmeisterleitung ohne Dirigent spielt, werden dabei nicht als Bruch, sondern als Bereicherung erfahrbar gemacht.“

Es geht um ernst gemeinte Zusammenarbeit – getragen von gegenseitigem Respekt und dem geteilten Ziel.

Der dritte Teil als „künstlerischer und symbolischer Höhepunkt“ vereine unter dem Dirigat Sergii Svintsitskyis vom MV Mühlacker beide Ensembles auf der Bühne. „Dieser Teil umfasst mehrere Stücke aus verschiedenen Genres, die eigens für diese gemischte Besetzung ausgewählt wurden“, sagt Paul Rapp. „Sie erfordern echtes Zusammenspiel, gemeinsame Probenarbeit und sensibles musikalisches Reagieren und machen dadurch erfahrbar, was musikalische Kooperation leisten kann. Die Zusammenführung von Laien und Profis wird so nicht nur sichtbar, sondern klingt – und genau das ist die zentrale Idee dieses Projekts.“ Es geht nicht um pädagogisches Herablassen, sondern um ernst gemeinte Zusammenarbeit – getragen von gegenseitigem Respekt und dem geteilten Ziel, ein musikalisch überzeugendes Ergebnis zu erarbeiten.

Doch wie sollen 14 Streicher gegen ein 50 Personen starkes Blasorchester bestehen? Nicht alle MV-Instrumentalisten kämen zeitgleich zum Zug, erläutert der Initiator des Projekts. Im gemeinsamen Teil werde eine sinfonische Besetzung gebildet, die für eine ausgewogene Mischung der Register sorge. Die MV-Musiker wechselten sich bei den unterschiedlichen Stücken ab.

„Es wird eine gute Mischung geben.“

Im Musikverein, der sich überdies auf sein traditionelles Muttertagskonzert vorbereitet, hätten die Proben bereits begonnen, informiert Paul Rapp. Das Südwestdeutsche Kammerorchester, das in der Vergangenheit mit zahlreichen CD-Einspielungen, internationalen Tourneen und Kooperationen mit renommierten Solistinnen und Solisten seine Qualität unterstrichen habe, plane für den 23. Mai eine gemeinsame Probe mit dem Projektpartner aus Mühlacker, an die sich die Gelegenheit zum Austausch anschließen soll. Die Auswahl der Werke sei zum größten Teil getroffen. „Es wird eine gute Mischung geben“, verrät Paul Rapp.

Bleibt es beim einmaligen Konzertereignis? Was sein ins Studium integriertes Projekt angeht, wird der Abend mit der von ihm danach zu erstellenden Projektarbeit und einer Präsentation Geschichte sein, weiß Paul Rapp. Alles Weitere? Geplant sei zunächst keine zweite Auflage. Man werde aber im Nachgang ein Fazit ziehen. Gänzlich auszuschließen sei, Spaß auf beiden Seiten vorausgesetzt, eine Neuauflage nicht. Nachhaltig wirken soll, geht es nach Paul Rapp, das Konzert auf alle Fälle. Er sehe das Projekt als Chance, das musikalische Potenzial beider Klangkörper sichtbar zu machen und gleichzeitig ein Zeichen für kulturelle Teilhabe, Offenheit und Zusammenarbeit zu setzen.

Zeit für sein Waldhorn nehme er sich trotz Studium, Arbeit beim Kammerorchester und im Vereinsvorstand weiterhin, versichert der 21-Jährige. Bei Üben könne er abschalten. Generell gebe ihm die Musik viel. Gern wolle er auch nach dem Ende seines Studiums in einem Orchesterbüro arbeiten. Seine jetzige Tätigkeit sei abwechslungsreich und mache ihm große Freude.

Der Kartenvorverkauf soll voraussichtlich etwa Mitte April beginnen. Weitere Informationen dazu folgen.

 

Artikel aus dem Mühlacker Tagblatt, Erstellt: Erstellt: 19.02.2026, 00:00 Uhr, Bild Paul Rapp, Text Carolin Becker